Ein Erfahrungsbericht von Ulrike von den Holy Bulls zu deren Hilfskonvoi in die Ukraine um einen großen Beitrag zur Hilfe für die Opfer des Angriffskrieges durch Putins Russland zu leisten. Ich hatte Gänsehaut beim Lesen und ich finde diese Aktion benötigt mehr Aufmerksamkeit um das Level der Hilfsbereitschaft aufrecht zu erhalten.

Von meiner Seite her gibt es ein riesengroßes Dankeschön für diese Aktion und für diese Seite keine Werbeanzeigen.

Hier nun der Bericht:

HOLY BULLS Hilfskonvoi in die Ukraine Teil 1

Der Morgen des 24. Februar 2022 hat sich zweifelsohne ins kollektive Gedächtnis eingebrannt und mit Sicherheit werden viele von uns noch in Jahren wissen, wo sie waren, als sie vom Einmarsch der russischen Armee in die Ukraine erfuhren.

Ich war an diesem Tag mit einer großen Anzahl anderer RB-Fans in San Sebastian zum Playoff-Spiel unserer Mannschaft in der Euro League.

Allerdings wurde der Fußball an diesem Tag (und eigentlich bis heute) angesichts der furchtbaren Ereignisse in der Ukraine tatsächlich zur Nebensache. Fragen über Fragen, wie es weitergehen würde im Osten dieses Kontinents, in ganz Europa.

Wie den meisten von euch bekannt sein dürfte, verfügt unser Fanclub seit 2019 über einen eigenen Fanbus, der unsere Auswärtsfahrer u.a. auch nach Spanien brachte und demnächst nach Italien rollen wird.

Mit Beginn der Hilfsaktionen für die Ukraine kamen zahlreiche Anfragen auf uns zu, ob der Bus nach Polen fahren würde, um Hilfstransporte durchzuführen. Unser sehr gut vernetzter Geschäftsführer des Buseigentümers Jan Wieland sah zunächst keine Notwendigkeit, da er aus zuverlässigen polnischen Quellen wusste, dass die Hilfsbereitschaft vor Ort überragend ist, betonte jedoch immer wieder, dass, wenn der Bus konkret gebraucht würde, er nicht zögert, ihn auf die Straße zu setzen.

Mitte März ergab sich dann eine konkrete und sehr gute Zusammenarbeit mit dem Haus der Hoffnung e.V. und es ist dem ehrenamtlichen Engagement und der Beharrlichkeit unseres Mitglieds André Knoblau zu verdanken, dass dieses Projekt in Angriff genommen wurde. Das Ganze wäre auch undenkbar gewesen ohne den unermüdlichen Einsatz unseres Busfahrerehepaares Simone und Knut Becker. Bereits sechs Tage nach dem Aufruf zu Sach- und Geldspenden fuhr der Bus bis unters Dach bepackt nach Lublin. Dieser Fahrt vorausgegangen war eine großartige Spenden- und Hilfsbereitschaft innerhalb des Fanclubs, aber auch von vielen, die von der Initiative gehört hatten und auf uns zukamen mit dem Angebot sie zu unterstützen. Mit Einkäufen notwendiger Güter, die der Empfehlung durch das Haus der Hoffnung folgten, Geldspenden, die zur Deckung der Treibstoffkosten beitrugen oder der Bereitstellung von (Zwischen-) Lagerkapazitäten wurde die Reise logistisch planvoll vorbereitet.

Was seitens privater und geschäftlicher Partner ausgezeichnet funktionierte, ließ von Seiten der offiziellen Stellen leider zu wünschen übrig. Es stellte sich als äußerst schwierig heraus, mit diesen in Kontakt zu treten oder überhaupt einen Ansprechpartner zu finden, der helfen konnte, das Anliegen der Verantwortlichen – nämlich den Transport der Flüchtlinge und vor allem deren geregelte Unterbringung in Leipzig – in die Tat umzusetzen und zu garantieren. Am Ende übernahm bei Ankunft das Rote Kreuz die Aufnahme der Ukrainer.

In der Nacht vom 18. auf den 19. März brach der Bus zu seiner Fahrt auf. Nachdem die Hilfsgüter in Lublin zum Weitertransport ins Verteilzentrum Lwiw ausgeladen worden waren, ging es nach Warschau. Dort nahm der Bus an zwei Einrichtungen, zu denen im Vorfeld durch Katja Zbrzeska, die Geschäftsführerin der frigga Seniorenbetreuung, ein Sponsor und Partner unseres Clubs, der Kontakt vermittelt worden war, 41 Personen – darunter viele Kinder und zwei Babys – auf.

Die Reise von Warschau nach Leipzig mit den Geflüchteten an Bord war von vielen tiefen Emotionen geprägt, die ausgelöst wurden von den Geschichten und Schicksalen der Mitreisenden. Deren Sorge, Trauer und Ungewissheit bezüglich dessen, was da auf sie zukommt, versuchte man mit aufopferungsvollem Einsatz und individueller Zuwendung zu lindern. Dabei stellte die Sprachbarriere wohl das größte Problem dar, aber mithilfe moderner Kommunikationsmittel konnte eine Sprachkundige auch von außerhalb des Busses zum gegenseitigen Verstehen beitragen.

Es sind in der Vorbereitung und im Verlauf dieser Hilfsaktion wunderbare Dinge passiert: Beispielsweise gelang es den Busfahrern, dass der Bus auf den polnischen Autobahnen von der sonst üblichen Mautpflicht befreit wurde, was wiederum dem Spendentopf zugute kam.

Wir wurden bei den Sachspenden vom Fressnapf Grünau und von einer großen Supermarkt-Kette unterstützt.

Spendengelder erhielten wir auch vom Fanverband und der Aktion #RasenBallHilft, u.a. mit einer Becherpfandsammlung im Stadion.

Wir erfuhren einen enormen medialen Zuspruch und große Anerkennung, sogar von uns oder RB zuweilen eher abgeneigten Zeitgenossen. Das ehrt und freut uns.

Es gab einen Austausch mit den Initiatoren ähnlicher Hilfsaktionen zweier traditioneller Leipziger Fussballvereine. Vielleicht geht da mal noch mehr …

Letztere Punkte sind angenehme Nebenwirkungen, denn über allem steht die Freude darüber, einigen Menschen geholfen zu haben, an einen sicheren Ort zu gelangen, an dem sie hoffentlich zur Ruhe kommen können.

Deshalb gab es schon bei Rückkehr keinen Zweifel daran, dass diese Fahrt wiederholt wird. Der Bus ist gerade wieder unterwegs in Polen ….

  1. April 2022

Ulrike Schmidt, Holy Bulls

Autor


Ron_Chitis

Ron_Chitis

philanthropischer Misanthrop mit einer gewissen Neigung zum einzig wahren Rasenballsport

1 Kommentar

HOLY BULLS Hilfstransport in die Ukraine Teil 2 - Mein Rasenballsport · 16. April 2022 um 18:28

[…] ungefähr einer Woche konntet Ihr hier über unseren ersten Hilfstransport in die Ukraine lesen, und ein zweiter rollte da schon durch […]

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